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Die Gründungsjahre

 

Die ersten Hintergründe

Es hatte seine guten Gründe, weshalb die Ideen eines Friedrich Ludwig Jahn, der vor 150 Jahren in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz in Deutschland anlegte, zunächst nur in den Städten Fuß zu fassen begannen. Die Aufforderdung, Leibesübungen zu treiben, hatte heute gar nicht mehr vorstellbare Widerstände des Unverständnisses, der gesellschaftlichen Hemmungen, obrigkeitlicher Einwendungen oder einfach des mangelnden Interesses zu überwinden. Am ehesten fanden sich deshalb in den Großstädten Leute, die sich für das Turnen begeistern ließen und bereit waren, alles Wenn und Aber beiseite zu schieben.
Dennoch wurden schon vor der Mitte des letzten Jahrhunderts vereinsähnliche Organisationen, die sich dem Turnen verschrieben, auch im Schwabenland gegründet. Ihr bedeutendster Initiator war der Gmünder Turnvater Johann Buhl, der ab 1841 eine Jugendmannschaft um sich sammelte, mit der er drei Jahre später einen Verein ins Leben rief. Dieses Beispiel machte Schule, denn die Persönlichkeit Buhls, der übrigens in Schwäbisch Gmünd auch die erste freiwillige Feuerwehr gründete, strahlte weit ins Land hinaus, zumal ins Remstal. Buhl, ein gebürtiger Beutelsbacher, hatte dort Verwandte und Freunde genug, die sein Vorbild nachahmen wollten. Bis die Idee des Turnens auch die kleinen Landgemeinden eroberte, verging allerdings noch eine geraume Zeit. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts fanden sich in Hebsack einige Männer zusammen, die nach Mitteln und Wegen trachteten, nicht nur Leibesübungen als solche zu betreiben, sondern durch sie auch die Dorfgemeinschaft zu fördern. Vor allem aber war das Ziel der Gruppe, die Jugend zu sportlicher Betätigung zu erzeihen und ihr einen menschlichen bildenden, gesundheitsdienstlichen "Zeitvertreib" zu bieten. Wie sehr diese Absichten der damaligen Entwicklung entgegenkamen, hatte ja schon der Umstand bewiesen, dass viele Jugendliche von Hebsack sich bereits auswärtigen Sportvereinen angeschlossen hatten.

 

Der denkwürdige Gründungsakt im Lammsaal

Am 9. März 1912 wurde im Lammsaal der "Turnverein Hebsack" gegründet, dessen erster Vorsitzender Karl Schanbacher wurde. Ihm zur Seite standen Theodor Scheib als Stellvertreter, Karl Wiedmaier als Kassier, Hauptlehrer Baier als Schriftführer und Karl Heck als Turnwart. Unter den Vereinsgründern sind überdies hervorzuheben: August und Ernst Heck, Karl und Christian Bauer, sowie Emil Nachtrieb.. Wesentliche Anregungen waren auch vom Nachbarverein Winterbach gekommen.
Welcher Popularität sich die Gründung des Turnvereins Hebsack erfreute, bestätigte die erstaunlich große Zahl von Mitgliedern, die ihm entweder schon an diesem 9. März 1912 oder kurz darauf beigetreten sind. Die erste Protokollliste umfasste schon die Namen von 47 passiven und 13 aktiven Mitgliedern neben 14 Zöglingen, worunter man damals Jugendliche unter 18 Jahren verstand. Vergleichsweise sei in diesem Zusammenhang angeführt, daß der Verein vor 90 Jahren also bereits 74 Mitglieder zählte; 1950 waren es 67 Mitglieder und 48 Jugendliche und Kinder und im Jubiläumsjahr 1962 waren es 98 Personen sowie 57 Jugendliche und Kinder.
Mit der Vereinsgründung selbst war es aber noch lange nicht getan, denn sofort erhob sich die Frage: Wo sollte man turnen? Eine Antwort bot die Gemeindeverwaltung, denn diese stellte beim "Armenhaus" ein Gelände zur Verfügung, das allerdings erst eingeebnet und hergerichtet werden musste. Trotzdem blieb es natürlich zunächst beim Provisorium. Barren und Reck mussten im Freien unter einem Blechdach aufgestellt werden; beim abendlichen Turnen bediente man sich primitiver Erdöllampen.

 

Das Vergnügen war damals billig

Dennoch feierte der Verein am 2. Juni 1912 sein erstes großes Fest: Die Platzeinweihung. Nicht nur die Hebsacker beteiligten sich in großer Zahl, auch aus der Nachbarschaft waren viele Turnfreunde erschienen. Als Kuriosum mag hierbei verzeichnet sein. Dass man damals noch wesentlich bescheidener war als heutzutage. Die gesamten Auslagen für dieses Fest betrugen nämlich, einschließlich Bier, Limonade und Vesper, 56,14 Mark, die Einnahmen erbrachten 75 Mark, so dass sich ein Reingewinn von 18,86 Mark ergeben hatte. Im gleichen Jahr wurde übrigens in Geradstetten schon die Turnhalle eröffnet!
Und das zweite bedeutende Ereignis des Jahres 1912 war ein Gartenfest am 25. August. Dabei präsentierte sich nicht nur die erst vor wenigen Monaten aufgestellte Turnerriege der Öffentlichkeit, sondern dieser wurden auch allerlei Attraktionen geboten. Da gab es zum Beispiel eine Schießbude und eine Kegelbahn. Der Musikverein Geradstetten spielte zu fröhlichem Umtrunk, bei dem 626 Liter Bier vertilgt wurden. In der "guten alten Zeit" gehörte nicht viel Aufwand dazu, um sich köstlich zu amüsieren. Überdies durfte ein Fest auch nicht zuviel kosten, denn die Hausväter überlegten es sich reiflich, ehe sie ein paar Pfennige aus der Tasche langten. Immerhin musste man für ein "Laible Brot" 30 Pfennige ausgeben; ein Liter Bier kostete 18 Pfennige, eine Zigarre 3,5 Pfennige. Für die "Anose" im Volksblatt hatte man 4,80 Mark ausgegeben. Am Schluss aber freute sich am meisten der Kassier, denn er konnte in seinen Büchern einen Überschuss von 60,99 Mark notieren.

 

Die ersten Erfolge stellen sich ein

Während die Riege unter Leitung von Oberturnwart Georg Müllerschön fleißig an Reck und Barren übte, trafen sich die Vereinsmitglieder regelmäßig zu Versammlungen und geselligen Abenden. Im Protokoll vom 7. September 1912 ist verzeichnet, dass man sich sogar einen Vereinsdiener zulegte: Christian Halbgewachs, der den Turnplatz in Ordnung zu halten und die Vereinsmitglieder von Veranstaltungen zu benachrichtigen hatte, erhielt dafür ein "Jahresgehalt" von 6 Mark.
Selbstverständlich wurden auch Statuten aufgestellt, deren Inhalt aber nicht zitiert werden kann, weil sich kein Exemplar dieser Satzungen mehr auffinden ließ. Wir wissen nur, dass der Monatsbeitrag 25 Pfennige betrug, den übrigens erkrankte Mitglieder nicht zu entrichten brauchten. Als der Winter nahte und deshalb der Sportbetrieb im Freien unmöglich wurde, stellte Christian Schanbacher seine Scheuer beim "Storchen" den Turnern zur Verfügung.
Am 27. Juli 1913 beteiligte sich der TV am Gauturnfest in Waldstetten, von dem die Riege Hebsack einen 1. Ehrenpreis und Eugen Staudt als Einzelturner ein 1. Diplom heimbrachten. Besuche bei befreundeten Vereinen, Ausflüge und Vereinsfeste wechselten in bunter Folge. Als im Oktober 1913 alle Turnverbände aus Anlass der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig einen "Eilbotenlauf" (Sternlauf) durchführten, waren auch zwölf Mann aus Hebsack daran beteiligt.

 

Die Idee einer Sängerriege taucht auf

Im Protokoll der Monatsversammlung am 13. April 1913 ist verzeichnet, dass der Antrag zur Aufstellung eine Sängerriege einstimmig angenommen wurde. Das erste Lied, das die Riege einübte, war "Mir ist es so wohl ergangen, drum ging es auch bald zu End". Es war ein schlechtes Omen, denn von der Sängerriege sah und hörte man dann nichts mehr. Aus dem gleichen Protokoll erfahren wir übrigens auch, wie sparsam man damals in Hebsack war: Der Antrag, die Gründer des Vereins fotografieren zu lassen, verfiel fast einstimmiger Ablehnung, was wir heute nur bedauern können, denn deshalb fehlt in der Vereinsgeschichte ein recht bedeutsames Dokument.
Das Jahr 1914 hatte noch hochgemut mit der Anschaffung eines Turnpferdes begonnen. Im Juni trafen sich sämtliche Turn- und Sportvereine von Grunbach bis Weiler zu einer großen wohlgelungenen Gemeinschaftsveranstaltung in Grunbach. Da brach der erste Weltkrieg aus und löschte mit einem Schlag, was die Hebsacker Turner an Organisation und Leistung mit Fleiß, Umsicht und Ehrgeiz in echter Sportkameradschaft aufgebaut hatten. Einer um den anderen wurde zum Militär- und Frontdienst eingezogen.

 

Der erste Weltkrieg und seine Folgen

Wie tief verwurzelt das Turnerideal in den Herzen derHebsacker war, bekunden die - zwar spärlich gewordenen - Protokolle der Kriegszeit. Die Daheimgebliebenen hielten, so gut es ging, mit den Kameraden draußen Kontakt. Briefe wanderten hin und her. In einer vom 28. Januar 1915 datierten Aufzeichnung heißt es, dass zwei Leibesgabensendungen abgegangen waren: Einmal für 10 Mann je 7 Paar Peitschenstecken, das andere Mal für 12 Mann je ein Pfund Rauchfleisch. 13 Mitglieder des Turnvereins standen damals im Felde, 5 waren in Kasernen eingerückt.
Obwohl an einen geregelten Turnbetrieb nicht mehr zu denken war, unternahm Georg Müllerschön aus Winterbach den Versuch, wenigstens die Jugend von Hebsack für diesen schönen Sport zu gewinnen. Viel Erfolg war ihm freilich nicht beschieden, den zu schwer lastete der Krieg mit seinen Sorgen und Nöten, mit seinen Trauerbotschaften und Ängsten auf der ganzen Bevölkerung.
Schon bald nach Kriegsende rafften sich die alten , treuen Mitglieder des Turnvereins zu einem Neubeginn auf. Vorstand Karl Schanbacher, Kassier Ludwig Nachtrieb und Schriftführer Baier waren wieder mit zur Stelle. Sie machten sich ans Werk und sammelten viele Freunde um sich. Ihrer Initiative entsprang auch am 9. Dezember 1919 der Beschluss des Gemeinderats, im Areal der Kelter dem TV einen Platz unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Damit war die Voraussetzung für ein neues und recht schwungvolles Aufleben des Vereins gegeben, dem auch Fabrikant Willy Hornschuch aus Urbach, der zu jener Zeit im Turngau sehr aktiv war, unterstützend zur Seite stand. Unter Adolf Reiniger als Turnwart entfaltete sich eine besonders rege Tätigkeit der Aktiven und der Jugend.